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Der Affekt – aus Sicht des Strafrechtlers1

I. Einleitung

Straftaten lösen regelmässig grosses Unverständnis aus. Je schwerer ein Delikt wiegt, desto eher wird nach Erklärungen für das Verhalten des Täters gesucht. Dazu werden einerseits die äusseren Umstände und andererseits beim Täter selbst liegende Gründe beigezogen. Dabei lassen insbesondere emotionale Motive eine Tat verständlicher erscheinen.2 Dies beruht wohl darauf, dass uns aus alltäglichen Erfahrungen bekannt ist, dass sich Emotionen entscheidend auf unser Verhalten Aus der ZeitschriftZStrR 4/2018 | S. 475–498 Es folgt Seite № 476auswirken. So können sie mit aggressiven Handlungstendenzen einhergehen3 und unsere Selbstbeherrschung einschränken.4 Entsprechend können sie unter Umständen auch die juristische Bewertung einer Tat beeinflussen. Wenn starke Gefühlserregungen die Kontrollfähigkeit eines Straftäters einschränken, so ist dies im Rahmen des geltenden Schuldprinzips zu seinen Gunsten zu berücksichtigen.

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