From the magazine ZStrR 3/2016 | S. 351-381 The following page is 351

Das Recht auf Konfrontation in der Praxis*

I. Einleitung

Der Zeugenbeweis ist von Natur aus fehleranfällig.1 Die Zahl möglicher Fehlerquellen ist dabei derart gross, dass eine fehlerfreie Aussage eher die Ausnahme denn die Regel ist.2 Eine Zeugeneinvernahme stellt stets ein gemeinsamer Interaktionsprozess zwischen dem Zeugen und der vernehmenden Person (Staatsanwaltschaft, Polizei) dar, dessen Ablauf und Ergebnis durch die die Befragung leitenden Hypothesen der einvernehmenden Person mitbeeinflusst werden.3 Dem Aus der ZeitschriftZStrR 3/2016 | S. 351–381 Es folgt Seite № 352Anspruch der Verteidigung auf eine konfrontative Zeugenbefragung kommt daher eine besondere Bedeutung zu.4

Das Recht, «Fragen an Belastungszeugen zu stellen oder stellen zu lassen» ist in der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) – als Teilgehalt des Rechts auf ein faires Verfahren nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK – in Art. 6 Ziff. 3 lit. d ERMK verankert.5 In der Bundesverfassung (BV) wird der Anspruch nicht ausdrücklich…

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